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Georg Moritz Pohlmann
Beschwerdebild

Zwangsgedanken

Die Dynamik des Zwangs

Die leidvolle Dynamik, die die diagnostische Bezeichnung „Zwangsstörung“ verliehen bekommt, kann durch ein Wechselwirkungsgeschehen verschiedener Elemente entstehen und aufrechterhalten werden. Nicht alle davon müssen bei jedem Menschen in gleicher Weise eine Rolle spielen:

  • Eine besondere Schwierigkeit, Zweifel und Ungewissheit über die eigene Person auszuhalten – etwa darüber, ob man moralisch integer ist, was bestimmte Gedanken über einen aussagen oder wozu man selbst möglicherweise fähig sein könnte – lässt spontan auftauchende Gedanken, Vorstellungen, Impulse oder körperliche Empfindungen besonders bedeutsam erscheinen. Sie werden nicht einfach als vorübergehende psychische Ereignisse behandelt, sondern als mögliche Hinweise auf eigene Wünsche, Absichten oder die eigene Persönlichkeit: Warum habe ausgerechnet ich diesen Gedanken? Wenn ich mir so etwas vorstellen kann – sagt das nicht etwas über mich aus? Vielleicht gibt es einen Teil in mir, der genau das will.
  • Auch die eigene emotionale und körperliche Reaktion wird zum Gegenstand genauer Überprüfung: Bin ich ausreichend erschrocken? Warum habe ich nicht sofort Ekel empfunden? Warum hat mein Körper so reagiert? Selbst eine nachlassende Angst kann erneut Zweifel auslösen: Wenn mich der Gedanke weniger erschreckt – bedeutet das vielleicht, dass ich ihn eigentlich will?
  • Die Aufmerksamkeit richtet sich zunehmend auf mögliche Belege für die befürchtete eigene Gefährlichkeit oder moralische Unzuverlässigkeit. Gedanken, Erinnerungen, Empfindungen und das eigene Verhalten werden auf entsprechende Hinweise untersucht. Je genauer das eigene Innenleben überwacht und je entschlossener versucht wird, unerwünschte Gedanken zu kontrollieren oder ihre Bedeutung endgültig zu klären, desto mehr Aufmerksamkeit wird gerade an sie gebunden – und desto mehr Anlass zu neuer Überprüfung entsteht.
  • Zugleich wird vollständige Gewissheit zum Ziel: Es soll zweifelsfrei geklärt werden, dass man eine befürchtete Handlung niemals ausführen würde, ein bestimmter Gedanke nichts über die eigene Person aussagt oder keine Gefahr übersehen wurde. Durch Kontrollieren, inneres Prüfen, Neutralisieren, Vermeiden oder Rückversicherung bei anderen wird versucht, diese Sicherheit herzustellen. Die Entlastung bleibt jedoch vorübergehend: Habe ich wirklich gründlich genug geprüft? Habe ich vielleicht etwas übersehen? Kann ich meiner Erinnerung vertrauen? Mit zunehmender Anspannung und Selbstüberwachung wird es zugleich schwieriger, eine Prüfung oder Handlung als abgeschlossen zu erleben – und das nächste Ritual erscheint notwendig.
  • Die fortwährende Überprüfung der eigenen Gedanken, Motive und moralischen Berechtigung bindet Aufmerksamkeit und erschwert es, in gegenwärtigen Situationen eine eigene Position einzunehmen. Auch eigene Bedürfnisse, Grenzen und Anliegen werden daraufhin überprüft, ob sie wirklich berechtigt sind und niemandem Unrecht tun. Selbstbehauptung und entschlossenes Handeln werden dadurch schwieriger; daraus entstehende Frustrationen, Konflikte oder emotionale Reaktionen können wiederum zum Gegenstand neuer Selbstzweifel werden.

Neue Dynamiken anstoßen

Die gemeinsame Arbeit zielt darauf, neue Wechselwirkungsdynamiken zu entfachen, durch die der Zwang zunehmend seine bestimmende Funktion verliert und Sie vom „Objekt des Zwangs“ wieder zum aktiven Subjekt und selbst-bewussten Gestalter des eigenen Lebens werden können. Typischerweise gehören dazu unter anderem:

  • die Erprobung einer gelasseneren Beziehung zu eigenen Gedanken, Vorstellungen, Impulsen und Empfindungen: diese als psychische Ereignisse wahrnehmen, ohne aus ihrem Auftreten unmittelbar auf eigene Wünsche, Absichten oder die eigene Persönlichkeit schließen und ohne ihre Bedeutung vollständig klären zu müssen;
  • die Stärkung der Verankerung im Hier und Jetzt: die Aufmerksamkeit auch unter Bedingungen von Zweifel und Anspannung wieder auf die gegenwärtige Situation und das eigene gegenwärtige Handeln ausrichten, anstatt immer tiefer in die Beobachtung, Analyse und Überprüfung des eigenen Innenlebens einzusteigen;
  • die Erprobung eines anderen Umgangs mit Zweifel und unvermeidlicher Ungewissheit: das eigene Bedürfnis nach vollständiger Sicherheit anerkennen, ohne ihm die Führung über das eigene Handeln zu überlassen. Dazu gehört, fortwährende innere Prüf- und Beweisverfahren schrittweise zu unterbrechen und Handlungen und Entscheidungen auch unter verbleibender Unsicherheit abzuschließen, ohne darauf zu warten, dass sich vollständige Gewissheit oder das Gefühl einstellt, nun wirklich ausreichend geprüft zu haben;
  • die Bahnung von Selbst-Bewusstsein und Selbstbehauptung: eigene Wahrnehmungen, Bedürfnisse, Grenzen und Anliegen wieder ernst nehmen und Position beziehen, ohne deren Berechtigung zuvor vollständig beweisen oder jeden Zweifel ausräumen zu müssen – sowie die Aktivierung, Entwicklung und Erprobung von Kompetenzen, die Sie benötigen, um auch unter Zweifel, Anspannung und Unsicherheit stimmig handeln, Entscheidungen treffen, Grenzen vertreten oder Konflikte aushalten zu können;
  • die Initiierung lohnenswerter Wagnisse: sich orientiert an dem, was Ihnen wichtig ist und wie Sie leben möchten, schrittweise wieder in bislang vermiedene oder nur unter Sicherheitsvorkehrungen bewältigte Situationen hineinbegeben und dabei auf Kontrollieren, Neutralisieren oder Rückversicherung zunehmend verzichten.
Kontakt

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Wenn Sie unter Ängsten, Zwangsgedanken, Traumafolgen, depressiven Entwicklungen, Leistungsblockaden oder Schwierigkeiten mit Selbstbehauptung und Selbstschutz leiden, können Sie über das Kontaktformular mit mir Kontakt aufnehmen. Im Erstgespräch klären wir gemeinsam, ob meine Arbeitsweise und Ihr Anliegen gut zueinander passen.